Wie groß darf ein Carport oder Gartenhaus ohne Baugenehmigung sein?
Regeln für Nebengebäude wie Carports, Gartenhäuser und Geräteschuppen
Viele Grundstücksbesitzer möchten ihr Grundstück sinnvoll erweitern: Ein Carport für das Auto, ein Gartenhaus für Werkzeuge oder ein kleines Nebengebäude als Lagerraum. Moderne Bauweisen mit Sandwichpaneelen, Trapezblechen und passendem Zubehör ermöglichen heute langlebige und schnell montierbare Gebäude.
Doch bevor das Fundament gegossen und die ersten Profile verschraubt werden, stellt sich eine entscheidende Frage:
Wie groß darf ein Carport oder Gartenhaus ohne Baugenehmigung sein?
Die Antwort ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Durch den Föderalismus besitzt jedes Bundesland eine eigene Landesbauordnung (LBO). Diese legt fest, wann ein Gebäude genehmigungspflichtig ist und wann es als verfahrensfreies Bauvorhaben errichtet werden darf.
Für Bauherren bedeutet das: Ein Nebengebäude kann zwar ohne Baugenehmigung gebaut werden, dennoch müssen alle öffentlich-rechtlichen Vorschriften eingehalten werden.
In diesem Ratgeber erfahren Sie:
- welche Größe Carports und Gartenhäuser ohne Baugenehmigung haben dürfen
- welche Unterschiede es zwischen den Bundesländern gibt
- welche Bauweise mit Sandwichplatten und Trapezprofilen sinnvoll ist
- welches Zubehör wie Kalotten, Dichtbänder, Kantteile und Lichtplatten benötigt wird
Wann ist ein Nebengebäude genehmigungsfrei?
Grundsätzlich gilt im deutschen Baurecht:
Jedes Gebäude ist genehmigungspflichtig – außer die Landesbauordnung erlaubt eine Ausnahme.
Viele Bundesländer erlauben kleinere Nebengebäude ohne Genehmigungsverfahren. Diese nennt man verfahrensfreie Gebäude.
Typische Voraussetzungen sind:
- begrenzter Brutto-Rauminhalt (m³)
- keine Aufenthaltsräume
- keine Feuerstätte
- Einhaltung der Abstandsflächen
Auch ein genehmigungsfreies Gebäude muss trotzdem alle baurechtlichen Vorschriften erfüllen.
Was bedeutet Brutto-Rauminhalt (m³)?
Die meisten Landesbauordnungen definieren die maximale Größe eines Nebengebäudes über den Brutto-Rauminhalt (BRI).
Der Brutto-Rauminhalt beschreibt das Gesamtvolumen eines Gebäudes.
Berechnung:
Länge × Breite × Höhe
Beispiel
Ein Gartenhaus mit:
- Länge: 5 m
- Breite: 3 m
- Höhe: 2,5 m
Rechnung:
5 × 3 × 2,5 = 37,5 m³
Damit würde dieses Gartenhaus in vielen Bundesländern noch als genehmigungsfreies Nebengebäude gelten.
Übersicht: Nebengebäude ohne Baugenehmigung nach Bundesland
| Bundesland | Genehmigungsfreie Nebengebäude (typisch) |
|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | bis ca. 75 m³ Brutto-Rauminhalt |
| Bayern | bis ca. 75 m³ Brutto-Rauminhalt |
| Baden-Württemberg | meist bis 40 m³ |
| Niedersachsen | ca. 40–50 m³ |
| Hessen | meist 30–50 m³ |
| Rheinland-Pfalz | ca. 50 m³ |
| Saarland | meist 40 m³ |
| Schleswig-Holstein | ca. 30 m³ |
| Mecklenburg-Vorpommern | ca. 40 m³ |
| Brandenburg | ca. 75 m³ |
| Sachsen | 10–40 m³ je nach Lage |
| Sachsen-Anhalt | meist 40 m³ |
| Thüringen | meist 40 m³ |
| Berlin | ca. 10–30 m² Grundfläche |
| Hamburg | ca. 30 m² Grundfläche |
| Bremen | ca. 30 m² Grundfläche |
Wichtig: Die tatsächlichen Regelungen können sich je nach Bebauungsplan, Innen- oder Außenbereich und Grenzbebauung unterscheiden. Vor Baubeginn empfiehlt sich eine kurze Nachfrage beim zuständigen Bauamt.
Genehmigungsfrei heißt nicht regelfrei
Viele Bauherren gehen davon aus, dass sie bei einem genehmigungsfreien Gebäude völlig frei bauen dürfen. Das ist jedoch nicht der Fall.
Auch ohne Bauantrag müssen folgende Punkte eingehalten werden:
- Bebauungsplan der Gemeinde
- Abstandsflächen zum Nachbargrundstück
- Standsicherheit und Statik
- Brandschutz
- Dachentwässerung
Fachverbände wie der IFBS oder der ZVDH empfehlen deshalb eine fachgerechte Planung auch bei kleineren Gebäuden.
Die richtige Bauweise für Carports und Gartenhäuser
Im Metallleichtbau haben sich vor allem zwei Systeme etabliert:
- Sandwichpaneele
- Trapezbleche
Sandwichpaneele – isolierte Wand- und Dachsysteme
Sandwichpaneele bestehen aus zwei Stahlblech-Deckschichten und einem isolierenden Kern.
Typische Dämmstoffe:
- PIR-Hartschaum
- Polyurethan (PU)
- Mineralwolle
Vorteile:
- sehr gute Wärmedämmung
- hohe Steifigkeit
- schnelle Montage
- langlebige Beschichtung
Trapezbleche – wirtschaftliche Dachlösung
Trapezprofile gehören zu den klassischen Baustoffen im Metallleichtbau.
Typische Einsatzbereiche:
- Carports
- Gartenhäuser
- Geräteschuppen
- landwirtschaftliche Nebengebäude
Vorteile:
- wirtschaftlich
- langlebig
- schnelle Montage
- hohe Stabilität
Zubehör für eine fachgerechte Montage
Kalotten und Schrauben
- gleichmäßige Lastverteilung
- Abdichtung der Schraubpunkte
- Schutz vor Verformung
Empfohlen werden Edelstahlschrauben (A2 oder A4) mit langlebiger EPDM-Dichtung.
Kantteile
- Firstbleche
- Ortgangbleche
- Traufbleche
- Wandanschlussbleche
Dichtbänder
Dichtbänder verhindern das Eindringen von:
- Regenwasser
- Schnee
- Insekten
- Zugluft
Lichtplatten aus Polycarbonat
- hohe Schlagfestigkeit
- UV-Beständigkeit
- geringes Gewicht
- passgenau zu vielen Trapezprofilen
Statik und Schneelasten beachten
Auch kleine Gebäude müssen statisch sicher sein.
Besonders wichtig sind:
- Schneelast
- Windlast
- Pfettenabstände
Checkliste für Ihr Bauvorhaben
- ✔ Landesbauordnung prüfen
- ✔ Bebauungsplan prüfen
- ✔ maximalen Brutto-Rauminhalt beachten
- ✔ Grenzabstände einhalten
- ✔ Statik berücksichtigen
- ✔ Materialliste erstellen
Fazit: Kleine Gebäude richtig planen
Ein Carport oder Gartenhaus ohne Baugenehmigung ist in vielen Bundesländern möglich. Entscheidend sind der Brutto-Rauminhalt, der Bebauungsplan und die Abstandsflächen.
Mit hochwertigen Materialien wie Trapezblechen oder Sandwichpaneelen sowie Zubehör wie Kalotten, Dichtbändern, Kantteilen und Lichtplatten lassen sich langlebige Nebengebäude realisieren.
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