Was ist ein Coil? Das Vormaterial für Trapezbleche & Sandwichpaneele einfach erklärt

Wer ein Dach oder eine Fassade mit Trapezblechen, Sandwichpaneelen oder anderen Bauelementen aus Stahl plant, beschäftigt sich meist mit Profilformen, Dämmstärken, Farben oder der richtigen Befestigung.

Die eigentliche Grundlage dieser Produkte bleibt dagegen oft unsichtbar: das sogenannte Coil.

Dabei entscheidet genau dieses Vormaterial maßgeblich darüber, wie langlebig, stabil und korrosionsbeständig ein späteres Dach oder eine Fassade wird. Die Qualität eines Trapezblechs, einer Sandwichplatte, eines Kantteils oder eines anderen Profilblechs beginnt lange bevor die erste Profilierung erfolgt – nämlich im Stahlwerk.

Moderne Hersteller von Profilblechen und Sandwichpaneelen verarbeiten heute überwiegend hochwertige bandbeschichtete Coils namhafter Stahlhersteller. Die Qualität der Verzinkung, die Art der Beschichtung, die Streckgrenze des Stahls und die Dicke des Vormaterials beeinflussen unmittelbar die spätere Lebensdauer eines Gebäudes.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was ein Coil ist, wie daraus Trapezprofile und Sandwichpaneele entstehen, welche Unterschiede es bei Verzinkung und Beschichtung gibt und warum die Wahl des richtigen Vormaterials oft wichtiger ist als die Wahl der Profilform selbst.

Was ist ein Coil?

Ein Coil ist ein aufgerolltes Band aus Stahl oder Aluminium.

Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Spule“ oder „Rolle“. In der Praxis handelt es sich um mehrere hundert Meter lange Metallbänder, die zu einer kompakten Rolle aufgewickelt werden.

Ein typisches Coil kann:

  • bis zu 25 Tonnen wiegen
  • mehrere hundert Meter Bandlänge besitzen
  • zwischen 0,40 mm und 1,50 mm dick sein
  • bereits verzinkt und beschichtet sein

Erst aus diesem Vormaterial entstehen später:

Man kann das Coil daher als den „Rohstoff“ moderner Metallleichtbau-Systeme betrachten.

Warum ist das Coil für die spätere Qualität so wichtig?

Man kann das Coil daher als den „Rohstoff“ moderner Metallleichtbau-Systeme betrachten.

  • Profilhöhe
  • Preis pro Quadratmeter
  • Farbe
  • Dämmstärke

Dabei werden die eigentlichen Qualitätsmerkmale oft übersehen.

Die Eigenschaften des Coils bestimmen unter anderem:

Korrosionsschutz

Die Verzinkung schützt den Stahl vor Rost.

Formstabilität

Die Stahlqualität beeinflusst die Tragfähigkeit der späteren Profile.

Farbstabilität

Die Beschichtung entscheidet darüber, wie stark ein Dach über Jahre ausbleicht.

Kratzfestigkeit

Hochwertige Beschichtungen sind deutlich widerstandsfähiger gegen mechanische Belastungen.

Lebensdauer

Die Kombination aus Stahlqualität, Verzinkung und Beschichtung bestimmt maßgeblich die Dauerhaftigkeit des gesamten Systems.

Warum ist das Coil für die spätere Qualität so wichtig?

Der Weg beginnt im Stahlwerk.

Zunächst wird flüssiger Stahl zu sogenannten Brammen vergossen.

Diese werden anschließend im Warmwalzwerk ausgewalzt und zu langen Stahlbändern verarbeitet.

Danach folgt das Kaltwalzen.Hier wird das Material auf die gewünschte Enddicke gebracht.

Typische Dicken im Metallleichtbau:

Produkt

Übliche Dicke

Trapezblech Wand

0,50–0,63 mm

Trapezblech Dach

0,50–0,75 mm

Sandwichpaneele Außenschale

0,50–0,63 mm

Sandwichpaneele Innenschale

0,40–0,50 mm

Erst nach dem Walzen erfolgen Verzinkung und Beschichtung.

Verzinkung: Der erste Schutz gegen Korrosion

Bevor ein Coil lackiert wird, erhält es einen metallischen Schutzüberzug.

Früher war nahezu ausschließlich die klassische Feuerverzinkung verbreitet.

Heute kommen verschiedene Systeme zum Einsatz.

Zink (Z)

Der Klassiker.

Beispiel:

  • Z225
  • Z275

Die Zahl gibt das Auftragsgewicht in g/m² an.

Z275 bedeutet:

275 g Zink pro Quadratmeter Stahlband.

Moderne Zink-Magnesium-Beschichtungen (ZM)

In den letzten Jahren haben sich sogenannte Zink-Magnesium-Systeme stark verbreitet.

Typische Bezeichnungen:

  • ZM90
  • ZM120
  • ZM140
  • ZM175

Hier wird dem Zink Magnesium beigemischt.

Dadurch verbessert sich:

  • der Korrosionsschutz
  • die Schnittkantenbeständigkeit
  • die Lebensdauer

Besonders interessant:Ein ZM120-Coil erreicht häufig ähnliche oder sogar bessere Korrosionseigenschaften als ein klassisches Z275-Coil.

Dadurch können Materialressourcen eingespart werden.

Aluminium-Zink-Systeme (AZ)

Eine weitere moderne Variante sind Aluminium-Zink-Beschichtungen.

Typische Bezeichnungen:

  • AZ150
  • AZ185

Diese Systeme bieten hervorragenden Schutz bei:

  • hohen Temperaturen
  • Industrieatmosphäre
  • Küstennähe

Sie werden häufig im Hallenbau eingesetzt.

Das Coil-Coating: Die farbige Beschichtung

Nach der metallischen Beschichtung folgt das sogenannte Coil-Coating.

Dabei wird das Stahlband im laufenden Produktionsprozess beschichtet.

Der Vorteil:

Die Lackierung erfolgt unter kontrollierten Bedingungen und erreicht eine deutlich gleichmäßigere Qualität als eine spätere Beschichtung.

  • Empfohlene Neigung: 5° – 8°
  • Einfachere Wasserableitung, geringere Schneeexposition
  • Überprüfung der Stoßbereiche und Befestigung wichtig

Welche Beschichtungen gibt es?

Polyester (SP)

Der Standard im Metallleichtbau.

Vorteile:

  • wirtschaftlich
  • UV-beständig
  • große Farbauswahl

Typische Schichtdicke: 25 µm

Polyurethan (PUR)

Hochwertige Premiumbeschichtung.

Vorteile:

  • höhere Kratzfestigkeit
  • bessere UV-Beständigkeit
  • längere Farbtonstabilität

Typische Schichtdicke:50 µm

PVDF

Für besonders anspruchsvolle Umgebungen.

Vorteile:

  • höchste Farbtreue
  • sehr hohe Chemikalienbeständigkeit
  • hervorragende Witterungsbeständigkeit

Wie wird aus einem Coil ein Trapezblech?

Nach der Anlieferung wird das Coil auf eine Abcoilanlage gesetzt.

Das Band läuft anschließend durch eine Rollformanlage.

Dort formen mehrere hintereinander angeordnete Walzen Schritt für Schritt das gewünschte Profil.

So entstehen:

  • Trapezbleche
  • Wellbleche
  • Fassadenprofile
  • Dachprofile

Am Ende wird das Profil exakt auf die gewünschte Länge zugeschnitten.

Der große Vorteil:

Nahezu jede Länge kann millimetergenau produziert werden.

Wie entstehen Sandwichpaneele?

Bei Sandwichpaneelen werden zwei Coils gleichzeitig verarbeitet.

Ein Coil bildet:

  • die Außenschale

das zweite Coil:

  • die Innenschale

Zwischen beide Deckschalen wird anschließend ein Dämmkern eingebracht.

Typische Kerne:

  • PIR-Hartschaum
  • PUR-Hartschaum
  • Mineralwolle

Dadurch entstehen hoch belastbare Bauelemente mit hervorragenden Dämmwerten.

Welche Rolle spielen IFBS, DiBT und ZVDH?

Die Qualität moderner Dach- und Fassadensysteme wird durch zahlreiche Normen und Regelwerke beeinflusst.

Wichtige Orientierungspunkte sind:

IFBS

Der Internationale Verband für den Metallleichtbau veröffentlicht Fachregeln für:

Der Internationale Verband für den Metallleichtbau veröffentlicht Fachregeln für:

  • Metallfassaden
  • Metalldächer
  • Sandwichpaneele
  • Profilbleche

DiBT

Das Deutsche Institut für Bautechnik erteilt bauaufsichtliche Zulassungen.

DiBT

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks definiert Fachregeln für die regensichere Ausführung von Dachkonstruktionen.

Das richtige Zubehör bleibt wichtig

Selbst das beste Coil kann seine Vorteile nur ausspielen, wenn das passende Zubehör verwendet wird.

Dazu gehören insbesondere:

Nur das Zusammenspiel aller Komponenten sorgt für ein dauerhaft funktionierendes Dach- oder Fassadensystem.

Fazit: Die Qualität beginnt lange vor dem fertigen Profil

Wer ein Dach oder eine Fassade plant, sollte nicht nur auf Profilform, Farbe oder Preis achten.

Die eigentliche Qualität entsteht bereits im Stahlwerk.

Ein hochwertiges Coil mit moderner Verzinkung, einer langlebigen Beschichtung und definierten mechanischen Eigenschaften bildet die Grundlage für langlebige Trapezbleche, Sandwichpaneele und Kantteile.

Deshalb lohnt es sich, beim Kauf nach dem verwendeten Vormaterial zu fragen. Denn die Qualität eines Daches beginnt nicht erst auf der Baustelle – sie beginnt beim Coil.

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